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Mein Herz

Der Glanz des Lichts

in memoriam Teresa von Ávila (1515 - 1582) und Edith Stein ( 1891 - 1942)

Doppelkonzert für Violine, Viola und kleines Orchester (2011/12)

Dass das Licht musikalisch nicht nur hohe und höchste Frequenzen meinen kann, ist eine Erfahrung, die wir seit langer Zeit in östlichen wie westlichen Kulturen gemacht haben:

Alles, was leuchtet, wird aus dem Dunkel geboren, die Nacht gebiert den Tag. – Bereits im Psalm (36, 10) heißt es über Gott: Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht. Und Paulus sagt in seinem Brief an die Epheser (5, 8-9): Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden, lebt als Kinder des Lichts! – Das Licht aber bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.

Das Einsinken in eine "offene Leere" durchzieht viele meiner Kompositionen..., Einatmen – Ausatmen. Präsenz und Resonanz sind die Grundlagen aller Musik, nicht etwa nur der gesungenen oder geblasenen....  Jeder Ton erklingt, schwingt mit und klingt dann aus, schwindet. Das bejahe ich mit vollem Ernst.

Und wenn die Selbstentleerung – nicht nur im Taoismus, Buddhismus, Christentum sondern bei allen Mystikern weltweit – bedeutet, dass eine ganz andere, eine tiefste Fülle im Menschenherzen Raum gewinnt, so bedeutet Einatmen Wachsen aber Ausatmen nicht nur das Schwinden: Im Leerwerden, in der Demut wächst innere Tiefe. Aber Tiefe und Höhe sind dann eins. (Meister Eckart).  Als Motto dieser Komposition wähle ich ein Zitat von Edith Stein: " Je höher die Seele zu Gott aufsteigt, um so tiefer steigt sie in sich selbst hinab: Die Vereinigung vollzieht sich im Innersten der Seele, im tiefsten Seelengrund."
Edith Stein in »Kreuzeswissenschaft: Studie über Johannes vom Kreuz«


Zurück zum Ton: auch tiefste Frequenzen haben ihr tiefes Licht, das sie in ihren hohen und höchsten Obertönen hell leuchten lassen.
Ich musikalisiere das von Anfang an in der Vertikalen, als offenen Klangraum, ausgespannt zwischen höchsten (Himmel) und tiefsten Tönen (Erde), in einem "Mutterakkord". Dieser Klangraum wird nicht ausgefüllt. – Erst allmählich erklingt in dessen Mitte eine fließende Horizontalität durch die zwei Solisten (Violine und Bratsche): die Instrumente beginnen zu singen, das Klingende wird ein Lobpreis allen Lebens: jeder Ton schwingt sich ein. Und das Verklingende führt in akustische Leere, das heißt in die Stille, die tief erfüllt sein kann und leuchten, je tiefer unser Ohr in sie hinein sich öffnet: Offenes Hören von Licht.....

Im Jahr 2012 überarbeitete ich meine Komposition " Hohes und tiefes Licht" (2010/11), ein Auftragswerk der Konzertreihe musica viva  des Bayerischen Rundfunks.  Dieser Fassung gab ich einen neuen Titel  "Der Glanz des Lichts" (2011/12).

Younghi Pagh-Paan



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