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AA-GA

für Violoncello solo (1984)



AA-GA: Zwei chinesische Ideogramme, die man nicht wörtlich übersetzen kann. Ihre Bedeutung könnte sein: "Würdigung im Lied". Ich habe die Absicht, unter diesem Titel einen Zyklus von mehreren Stücken für Soloinstrumente zu schreiben. Für das erste dieser Stücke habe ich das Violoncello gewählt. Dieses Instrument ist mir nahe wegen der Tiefgründigkeit seiner Klangfarben. Seine Ausbrüche sind niemals oberflächlich. Ich möchte diese Musik jenen widmen, die ihr Leben geopfert haben für die Wahrheit, die ihnen unausweichlich schien. Jedes dieser Stücke wird die Erinnerung an einen bestimmten Menschen wach halten, dessen Namen ich aber nicht preisgeben möchte. 

Der formale Fluss meines Stückes für Violoncello leitet sich direkt von einem kurzen zeitgenössischen koreanischen Gedicht her. Seine Verse sprechen von der Durchsichtigkeit des Wassers, der unauflöslichen Verknüpftheit des Universums, vom abgrundtiefen Schmerz in den Finsternissen der Nacht. Im Gedicht sind dies Metaphern für längst verstorbene Menschen, deren Wesen in uns lebendig geblieben ist. Die metaphorischen Ideen des Gedichtes versuche ich musikalisch zu übertragen. 

Zwei gegensätzliche Charaktere erscheinen als Antinomien in dreifachen Variationen. Diese fortschreitenden Veränderungen haben als Ziel, prozeßhaft die immanenten Gegensätze zu enthüllen. Ein drittes Element, den musikalischen Duktus aufhellend, erscheint zwischen den Variationen und gewinnt gegen das Ende mehr und mehr an Durchsichtigkeit. 

Durch den Prozess der Kompositionsarbeit versuche ich, in mir selbst die Erinnerung an vergangene Zeiten und Geschehnisse wach zu halten, die man gerne und andauernd verdrängt.

Younghi Pagh-Paan (1984)



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