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Hohes und tiefes Licht

Doppelkonzert für für Violine, Viola und Orchester (2010/2011)

Hartmut Lück (aus der Besprechung der Uraufführung im Weser-Kurier, 18.1.2012)

»Bei der Auftragserteilung hatte YPP vorgeschlagen, dass vor ihrem Werk die «Couleurs de la Cité Céleste» (»Farben der Himmelsstadt«, 1963) von Olivier Messiaen erklingen sollten, und so geschah es auch, und so geschah es auch. Pagh‑Paan versteht dieses Werk so, daß der französische Komponist die Farben einer Glasfenster‑Rosette zum Klingen bringt und dabei die mystisch geschauten Wohnungen des Paradieses in den Abschnitten des Werkes darstellt; ebenso will die koreanische Komponistin in ihrem Werk eine Folge von »Himmelswohnungen« vorstellen, doch gehen ihre Ab schnitte ineinander über, die Doppelstriche in der Partitur sind lediglich Orientierungspunkte. Aber sie hat noch einen zweiten Ahnen ihres Werkes freimütig benannt: Wolfgang Amadeus Mozart. Dessen »Sinfonia concertante« KV 364 ist ebenfalls für Geige und Bratsche geschrieben, zwei solistische Individuen, die aber immer wieder in eins verschmelzen oder sich ins Orchester einschmiegen.

Genau das passiert in »Hohes und tiefes Licht` auch: Die beiden Solistinnen (Melise Mellinger und Barbara Maurer von Freiburger »Ensemble Recherche«) spielen als Teil des Orchesters, aus welchem sie von Fall zu Fall heraustreten, meist gemeinsam. Und gelegentlich agieren sie sogar allein, in solistischen »Wohnungen«, die mit »tempo rubato« oder »senza misura« bezeichnet sind. Doch sind dies keine virtuosen Demonstrationen in der Art früherer »Solokadenzen«, sondern dienen völlig der Verwirklichung der Werkidee.

Diese wiederum hat ihren Grund in den Visionen der Mystikerinnen Teresa von Ávila und Edith Stein, wo von der Dimension der Tiefe die Rede ist, einer Tiefe der Seele, die nichts mit dem Oben und Unten (Himmel und Hölle) traditioneller Theologie zu tun hat. Die in Auschwitz ermordete Edith Stein trifft sich hier mit fortschrittlichen Theologen wie Dietrich Bonhoeffer oder Paul Tillich, Höhen und Tiefen menschlichen Denkens als Suche nach dem »Licht« darzustellen war das Ziel der Komponistin, die aus einem normal besetzten Orchester mit vielen, aber sparsam verwendeten Schlaginstrumenten ein farbiges und hochexpressives Ganzes formte, ein langsam schreitendes Gewebe aus Flageolettklängen, stärkerem und schwächerem Vibrato, zarten Perkussionstupfern und liegenden Klängen besonders im ganz tiefen und ganz hohen Register.«

 

 



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