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»Wundgeträumt«

für Flöte, Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Violoncello (2004/05)

Werknotiz

Dem ensemble recherche gewidmet.

Gegenüber unserer auch in Süd-Korea verwestlichten Gegenwart, die den subjektiven, privaten Traum nicht zur Realität rechnet, Träume aber mit Vorliebe als virtuelle Sensationen über alle Medien verbreitet, sind in der ost-asiatischen Wahrnehmung Traum, Leben und Tod, Wirklichkeit und Schöpfung ein Ganzes, das die menschliche Existenz demütig werden lässt.
Wenn ich den Zeilen des Gedichts von Byung-Chul Han folge, das er für meine Arbeit am Bühnenwerk «MONDSCHATTEN» geschrieben hat, wächst aus der Pflaumenblüte die Ganzheit unseres bedrückten, zerknirschten, geschändeten Überlebens in einer ausgehöhlten Gegenwart wie unverletzt hervor. Meine Musik folgt den Gedanken und Gestalten dieser Poesie natürlich nicht Zeile um Zeile, sondern in ihren Bildern und Gegenbildern in budhistischer Tradition, die den Tod als Brücke zur Wiederkehr niemals verdrängt hat.

Ein großer europäischer Kosmopolit, George Steiner kann das heute auch so sagen:
«Von überragender Wichtigkeit in diesem moto sprituale ist der implizite oder explizite Schluß auf die übernatürliche Kraft, auf das Grenzland. In sehr vielen Werken westlicher Kunst und Literatur ist davon die Rede, dass wir enge Nachbarn des Unbekannten sind, dass wir uns zwischen Ordnungen pragmatischer Substanz bewegen, die selbst durchlässig sind für das, was auf der anderen Seite liegt, was von jenseits 'der Schattenlinie' wirkt.» 

11. März 2005, Bremen Y. P.-P.



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