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MADI

für 12 Instrumentalisten (1981/83)



Madi, das koreanische Wort für Knoten, bedeutet auch Gelenk, Takt oder Taktstrich. Maedub, die Knoten-Handarbeiten koreanischer Frauen, schmücken von alters her sowohl ihr Festkleid und verschiedene Musikinstrumente wie auch die Bahre, auf welcher die Toten zu ihrer letzten Ruhe getragen werden. Die Knüpfarbeiten entstehen aus dem Grundmaterial roher Seidenfäden durch Zwirnen und enges Verknüpfen und bilden die verschiedensten Gestalten, welche wie Amulette getragen werden.

Madi wird gleichzeitig auch als Bild gebraucht, welches den tiefsten Schmerz menschlichen Herzens benennt. Im 16. Jahrhundert schrieb der Dichter und Staatsmann Chung-Chul, dass es in der Seele eines jeden Menschen etwas eng Verknüpftes, Verknotetes gebe. Dieses aufzulösen, sei die Aufgabe der Dichtung.

Ich glaube, dass die beharrliche Arbeit des Madi-Knüpfens für die Frauen dasselbe bedeutete wie für den Dichter das Gedicht, nämlich die Knoten (den Schmerz) des eigenen Herzens zu überwinden.

Vielleicht ist es auch möglich zu sagen, dass die jahrhundertealte, stille, geduldige Handarbeit der Frau eine große Quelle der Kraft war, den Schmerz des Volkes zu tragen und es immer neu auferstehen zu lassen. Gleichzeitig, so glaube ich, haben die Frauen gerade damit nicht wenig zu ihrer Selbstverwirklichung getan.

Für mich persönlich ist das Komponieren eine Tätigkeit, die sich mit dem Madi-Knüpfen gleichsetzen lässt: Den Knoten im eigenen Herzen aufzulösen.

Younghi Pagh-Paan



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