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Io

für neun Instrumentalisten (1999/2000)


Schon länger beschäftige ich mich intensiv mit der griechischen Mythologie. Sie fasziniert mich mit ihrer unverstehbaren Grausamkeit, der Unausweichlichkeit und durch Themen, die uns immer noch direkt betreffen. Darunter das der Fremdheit: eine existentielle Erfahrung, auch für mich selbst.

Io, von ihrem Vater verstoßen, flieht immer weiter. Ihre Fluchtwege führen sie ins Endlose. Dennoch begegnet sie dem festgeschmiedeten Prometheus. Sie treffen sich am Abgrund des Schmerzes. Io irrt vom Westen nach Osten, von Norden nach Süden.

Anders Han Shan, der chinesische Mönch, der seinen Fluchtpunkt wählt. Den Gipfel des "Kalten Berges" erreicht er, indem er die "Welt des Staubes" hinter sich lässt. Von seinem Erdendasein bleibt nichts, nur eine Spur: Gedichte bezeugen seine Existenz. Sie erklären nichts, weder die Welt noch sein Hiersein.

Der gewundene und steinige Weg der Suche nach dem Selbst führt hin zu dem einzig wirklichen Han Shan, an dessen Existenz es keine Zweifel gibt...

Den Mann vom "Kalten Berg" wird es für immer geben. Er ganz alleine lebt. Ohne Geburt und Tod.

Younghi Pagh-Paan

 

Literatur

Kang, Unsu
Untersuchungen der Behandlung des Schlagwerks in den Kompositionen von Younghi Pagh-Paan [pp.91-126]
Dissertation : Bremen, Universität Bremen, 2007



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