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TA-RYONG VI 

für sieben Instrumente (1988/98)


Seit längerer Zeit habe ich mich immer wieder mit koreanischer Bauernmusik (NONG-AK) beschäftigt und wurde durch diese Musiziertradition, die in Korea seit vielen Jahrhunderten besteht, vielfach angeregt.

Die Musik unserer Bauern wurde schon immer auf dem Markt gespielt, dem Mittelpunkt des Dorfes.
TA-RYONG ist einer der allgemeinsten rhythmischen Begriffe aus dieser Musik. Wir nennen TA-RYONG das Wiederholen eines Grundrhythmus in einem immer wiederkehrenden Vierer- oder Sechser-Metrum. Die Faszination, die vom TA-RYONG ausgeht, besteht aber gerade in der nahezu unbegrenzten Variierungsfähigkeit dieser immergleichen Grundlage, wobei dies für die Bauernmusik ganz besonders gilt.

Ich habe eine Reihe von Kompositionen unter dem Titel TA-RYONG geschrieben. Es ist mir bewusst, dass ich mit diesen Kompositionen eine differenzierte Musik für den Konzertsaal schreibe. Ich versuche aber dabei, in diesen so anderen Kontext etwas von jener Lebendigkeit und Kraft hinüberzutragen, durch die sich unsere alte Tradition auszeichnet und die sie immer wieder im Laufe der Geschichte zu einer Wurzel des Widerstandes gemacht haben.

An dieses konkrete Genre des Musizierens in der Dorfgemeinschaft, an das ich mich lebhaft erinnere, versuche ich anzuknüpfen. Auch bedeutet mir das Atmosphärische solcher noch im täglichen Leben integrierten Musik sehr viel. Andererseits beschäftigt mich in meiner Musik - die zwar auf koreanischem Musikempfinden aufbaut, aber die Entwicklung der europäischen Kunstmusik unseres Jahrhunderts so wach wie möglich zu reflektieren versucht - das Problem der Wiederholung in ihrem Verhältnis zum Suchen und Auffinden immer neuer, wenn möglich frischer Veränderungen. Diese Problematik habe ich nun in TA-RYONG VI, einem Stück, das auf dem 1988 entstandenen TA-RYONG II beruht, wieder aufgegriffen.

Younghi Pagh-Paan


Uraufführung: Fürth, 8.11.1998
ars nova ensemble, Leitung: Werner Heider
Auftrag: Bayerischer Rundfunk / Studio Franken



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