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TSI-SHIN / TA-RYONG III

Duo für Schlagzeuger (1991)


Für das Musikprotokoll 1991, Graz



Mit TSI-SHIN / TA-RYONG III knüpfe ich an Traditionen von Bauernmusik (Nong-Ak) an, die mir aus meiner Kindheit gegenwärtig sind. Eigentlich handelt es sich um ein bei uns noch lebendiges, uraltes schamanistisches Ritual: Jedes Jahr im Januar ziehen kleine Gruppen von vier bis fünf Musikern durch die Dörfer von Haus zu Haus, um mit dem TSI-SHIN-PAL-GGI den Segen für Haus und Familie zu erbitten. Es ist eine Beschwörung des Erdgeistes (TSI-SHIN) durch Stampfen (PAL-GGI) der Erde. Durch diese rituelle Musik soll er günstig gestimmt, besänftigt werden, so dass alles Leben in Haus und Hof gedeihen wird.

TA-RYONG ist einer der allgemeinsten Begriffe der koreanischen Musik. Wir nennen TA-RYONG das Wiederholen eines Grundrhythmus in einem immer wiederkehrenden Vierer- oder Sechsermetrum. Die Faszination des TA-RYONG besteht aber gerade in der nahezu unbegrenzten Variierungsfähigkeit dieser immer gleichen Grundlage, insbesondere in der Bauernmusik. 

Mich beschäftigt in meiner Musik - die sich zwar auf koreanischem Musikempfinden aufbaut, aber die Entwicklung der europäischen Kunstmusik unseres Jahrhunderts so wach wie möglich zu reflektieren versucht - das Problem der Wiederholung in ihrem Verhältnis zum Suchen und Auffinden immer neuer, wenn möglich frischer Veränderungen.

Younghi Pagh-Paan (1991)



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